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Bewegender Hilferuf - Krankenschwester schreibt an Merkel

Jana Langer

Jana Langer ist seit über 20 Jahren Krankenschwester. Seit ihrer Ausbildung stand stets der Mensch im Mittelpunkt ihres Handelns. Die Wahrung der Menschenwürde, trotz oftmals widriger Umstände, war für Langer immer oberstes Gebot. Doch in den letzten Jahren habe sie nicht mehr nach diesen selbst gesetzten Maßstäben arbeiten können, berichtet sie nun in einem offenen Brief, der an die Bundeskanzlerin adressiert ist.

"Sehr geehrte Frau Merkel", beginnt Langer ihre Zeilen. Hoch motiviert sei sie gewesen, doch seit einem Jahr ginge das nicht mehr. "Patienten sind zu Wirtschaftsfaktoren geworden, sind Fallzahlen und Kostenfaktoren. Menschen sind sie keine mehr, und sie als solche zu behandeln unmöglich." Eine menschenwürdige Arbeit zu verrichten, sei nicht mehr möglich, schreibt die Krankenschwester. Inzwischen gehe viel Zeit für die Dokumentation der Kosten verloren, die sie früher bei den Patienten verbrachte.

Dann spricht sie die Bundeskanzlerin direkt an: "Sie erwähnten vor dem Wahlkampf 'Pflegekräfte haben einen härteren Job als ich', als 'Stille Helden' haben Sie uns bezeichnet. Still sind wir bisher gewesen, da gebe ich Ihnen Recht. Ob wir einen härteren Job haben als Sie, vermag ich nicht zu beurteilen. Was ich jedoch beurteilen kann: Das Gesundheitssystem in seiner bestehenden Form behindert meine Arbeit."

"Es herrscht nur noch Frust und Flucht"

Langer hatte wie viele ihrer Kollegen große Hoffnungen in die Gesundheitsreform gesetzt, doch diese wurden jäh enttäuscht. "Das Ergebnis ist ein Desaster. Wir leiden unter der stetigen Personalabbausituation derart, dass nur noch Frust und Flucht herrscht", sagt Langer n-tv.de. Weil ein erstes Schreiben an Gesundheitsminister Gröhe bis heute unbeantwortet blieb, hat Langer den Brief nun auf Facebook öffentlich gemacht - und damit bereits Tausende Menschen erreicht.

Arbeitszeitgesetze würden aufgrund von fehlender Finanzierung der Personalstellen nicht mehr eingehalten und Patienten zu früh entlassen, da ihre Finanzierung nicht gewährleistet sei, schreibt Langer weiter. "Wohl dem, der keine Leistungen im Krankenhaus in Anspruch nehmen muss. Denn jeder Aufenthalt könnte im Moment zur tödlichen Falle werden."

Das traurige Fazit der Krankenschwester: "Innerlich gekündigtes Personal, schlecht bezahlte Hilfskräfte mit entsprechender Motivation, überarbeitete und übermüdete Pflegekräfte, die nur noch versuchen, den größten Schaden abzuwenden, sind alltägliche Bilder in jeder Klinik von Deutschland." Am Ende ihres Briefes fragt Langer Merkel: "Glauben Sie nicht, dass hier endlich eine umfassende Reform nötig ist? Über eine Million Pflegekräfte arbeiten und leiden in Ihrem Land, das Sie regieren. Sie tragen die Verantwortung für jene, die Ihnen das Vertrauen ausgesprochen haben. Ist Ihnen klar, dass Sie dieses Vertrauen mit Füßen treten?"

Offensichtlich hat Langer mit ihrem Bericht einen Nerv getroffen. Zigtausende Menschen zollten der Krankenschwester in den Kommentaren ihren Respekt, viele berichteten von eigenen Erfahrungen, andere verliehen ihrer Hoffnung Ausdruck, dass endlich etwas passieren müsse. Langer zeigte sich von den Reaktionen überrascht. "Es scheint fast so, dass das Jammertal durchlaufen wäre und wir doch eine starke Gemeinschaft bilden könnten", sagt sie n-tv.de. "Im Grunde möchte ich einfach nur sinnvoll, professionell und ethisch vertretbar meine Arbeit verrichten."

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Sehr geehrte Frau Merkel,
seit über 20 Jahren bin ich Krankenschwester an der Universitätskilinik in XXX. Absolvierte auch dort meine Ausbildung. Hoch motiviert war ich für diesen Beruf, machte Weiterbildungen und Zusatzqualifikationen, gab immer mein Bestes. Der Mensch stand stets im Mittelpunkt meines Handelns, die Genesung und Linderung von Schmerzen, Hilfe zur Selbsthilfe war immer mein Berufsmotto. Wahrung der Menschenwürde, trotz oftmals widriger Umstände, war für mich das oberste Gebot.
Die letzten Jahre war das ein Ding der Unmöglichkeit. Patienten sind zu Wirtschaftsfaktoren geworden, sind Fallzahlen und Kostenfaktoren. Menschen sind sie keine mehr, und sie als solche zu behandeln unmöglich. Eine menschenwürdige Arbeit zu verrichten nicht mehr möglich.
Dokumentationen die zur Abrechnung dienen, behindern meine Arbeit und fressen Zeit, die ich früher FÜR die Patienten hatte.
Sie erwähnten vor dem Wahlkampf „Pflegekräfte haben einen härteren Job als ich“, als „Stille Helden“ haben Sie uns bezeichnet.
Still sind wir bisher gewesen da gebe ich Ihnen Recht, ob wir einen härteren Job haben als Sie, vermag ich nicht zu beurteilen. Was ich jedoch beurteilen kann: Das Gesundheitssystem in seiner bestehenden Form behindert meine Arbeit.
Arbeitszeitgesetze werden aufgrund von fehlender Finanzierung der Personalstellen nicht eingehalten. Patienten werden zu früh entlassen, da ihre Finanzierung nicht gewährleistet ist.
Gefährliche Pflege (bedingt durch Personalmangel) bringt jeden an seine noch leistbare Grenze.
Der Nachwuchs bleibt aus, und diejenigen die sich zu dieser Ausbildung entschlossen haben, scheiden viel zu früh aus dem Berufsleben aus, werden während ihrer Ausbildung nur unzureichend betreut und viel zu oft allein gelassen.
Wohl dem, der keine Leistungen im Krankenhaus in Anspruch nehmen muss. Denn jeder Aufenthalt könnte im Moment zur tödlichen Falle werden.
Innerlich gekündigtes Personal, schlecht bezahlte Hilfskräfte mit entsprechender Motivation, überarbeitete und übermüdete Pflegekräfte, die nur noch versuchen, den größten Schaden abzuwenden, sind alltägliche Bilder in jeder Klinik von Deutschland.
Glauben Sie nicht, dass hier endlich eine umfassende Reform nötig ist?
Hier muss eine umfassende Reform auf die Tagesordnung, keine Schnellschüsse und kleinen Nachbesserungen.
Über eine Million Pflegekräfte arbeiten und leiden in Ihrem Land, das Sie regieren. Sie tragen die Verantwortung für jene, die Ihnen das Vertrauen ausgesprochen haben.
Ist Ihnen klar, dass Sie dieses Vertrauen mit Füßen treten?
Wir können Sie nicht wirtschaftlich unterstützen, wir tragen auch nichts zum Bruttoinlandsprodukt bei. ABER: wir versorgen die Schwächsten in unserer Gesellschaft, geben jenen Hilfe und Unterstützung, die krank oder auch alt geworden sind. Das ist IHR Volk, um die wir uns MENSCHENWÜRDIG und PROFESSIONELL kümmern wollen. Also sorgen sie dafür, dass wir auch die nötigen Mittel an die Hand bekommen, um uns nicht täglich strafbar zu machen und mit einem schlechten Gewissen nach Hause gehen.
Mit freundlichen Grüßen
J.L.

 

Tags : Krankenschwester, Brief an Merkel, Jana Langer

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