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Kinderarmut - mitten unter uns

Kinderarmut - mitten unter uns !

In der kommenden Woche fängt die Schule wieder an. Vielen Familien in Bad Münder graut davor: Sie haben die Liste der Schule erhalten. Auf ihr findet sich das Material, das sie für ihre Kinder kaufen sollen. Schon jetzt steht fest, dass nicht jedes Kind mit der geforderten Ausrüstung erscheinen wird.

Wer genauer hinschaut, entdeckt auch in Bad Münder Kinderarmut. Die kommt allerdings nicht immer offensichtlich daher – in Deutschland leben nach Einschätzungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für das Arbeitsministerium 3,1 bis 4,9 Millionen Menschen in verdeckter Armut. Das heißt, dass sie kein Hartz IV beantragen, obwohl sie wegen geringen Einkommens oder Vermögens Anspruch darauf hätten.

Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich. Unwissenheit zählt dazu, aber auch Scham oder eine nur sehr geringe Leistungshöhe. Im aktuellen „Aktionsplan für ein gesundes Aufwachsen im Landkreis Hameln-Pyrmont“ wird das Thema Kinderarmut beleuchtet – dabei auch herausgestellt, dass selbst die Zahlen, die der Kreisverwaltung vorliegen, kein absolutes Bild zeichnen lassen. Die in der EU gültige Definition stuft denjenigen als arm ein, der über weniger als 60 Prozent des mittleren Nettoeinkommens verfügt. Für Alleinerziehende mit zwei Kindern sind das in Deutschland rund 1440 Euro.

Da für den Landkreis keine statistischen Daten über Familieneinkommen vorliegen, wird zur Beurteilung des Umfangs der Kinderarmut der Sozialleistungsbezug herangezogen – und schon diese Betrachtung lässt aufhorchen: Während der Anteil der unter 15-Jährigen, die von Leistungen der Grundsicherung nach dem Sozialgesetzbuch II leben, bundesweit auf einem Niveau von 15 Prozent liegt, ist er im Landkreis allein von 2010 bis 2013 von 15 auf durchschnittlich 20,2 Prozent gestiegen. Besonders betroffen: ausländische Kinder. Fast jedes zweite erhielt Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II.

Bad Münder findet sich in der vom Landkreis zusammengestellten Tabelle im oberen Drittel: 16,9 Prozent aller Kinder im Alter unter 15 Jahren, 364 Kinder, beziehen Hilfen. Mehr sind es im Landkreis nur in Hameln (28,1 Prozent) und Bad Pyrmont (19,2 Prozent). Die Folgen sind für die Kinder oftmals verheerend, das weiß auch die städtische Gleichstellungsbeauftragte Ursula Behrens. Wer in Armut aufwächst, ist oft schlechter in viele gesellschaftliche Bereiche integriert. Und auch im Schulbereich mache sich Armut noch immer bemerkbar – oftmals seien schlechtere Bildungschancen die Folge. „Das ist noch immer so. Und es verbessert sich einfach nicht“, sagt Behrens. Die Stadt selbst habe allerdings keinen Topf, aus dem Unterstützung angeboten werden könne – und so müssen die Mitarbeiter im Familienbüro bei Anfragen auf die Möglichkeiten der Agentur für Arbeit und des Jobcenters verweisen.

Ganz lokal vor Ort versuchen verschiedene Einrichtungen, unkompliziert Hilfen anzubieten. Der Umsonstladen gehört dazu, der regelmäßig vor Schuljahresbeginn versucht, Lücken zu stopfen und zumindest bei der Grundausstattung von Schulkindern zu helfen. Und auch die Tafel nutzt Gelder, die nicht für die Versorgung mit Lebensmitteln gedacht sind, um zu helfen. „Kinderarmut sehen wir hier jede Woche. Sie ist auch in Bad Münder stets präsent – man muss nur hinschauen“, sagt Tafel-Chef Dieter Hainer. Zum Angebot der Einrichtung gehören gelegentlich Schwimmkurse für die jungen Tafelkunden, manchmal auch ein Ausflug. Der, zu dem ein ganzer Bus junger Tafel-Kunden am Montag aufbricht, gehört dabei zu den absoluten Höhepunkten – und wäre für die Familien einfach nicht bezahlbar: „Wir fahren in den Zoo Hannover“, sagt Hainer.

(Quelle : ndz)

Tags : Kinderarmut, arm, schlechte Politik, wenig Geld, Geld, kein Geld, Schule, Einschulung

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